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tessera-ctl/docs/mandantentrennung-datenbankrolle.md
T
schalli 44a90e5bfd feat(quick-260909-dgj): Pruefwerkzeug fuer den Nachweis plus Betriebsanleitung (Task 3/4)
- apps/api/scripts/rls-preflight.mjs misst fuenf benannte Eigenschaften
  (rollenrechte, kontext-setzbar, ohne-kontext-leer, mit-kontext-sichtbar,
  schreibrechte) jeweils in einer eigenen Transaktion gegen eine per
  TESSERA_PREFLIGHT_DATABASE_URL angegebene Verbindung; --print-plan
  verbindet nicht, das Werkzeug schreibt in keiner Betriebsart
- 5 Tests in rls-preflight.spec.ts (rot vor dem Werkzeug, jetzt gruen)
- docs/mandantentrennung-datenbankrolle.md: Befund, Sperrgrund (182
  unskalierte Zugriffe, Anmeldeweg), Handgriffe des Betreibers samt
  Kennwortsetzung, Freigabebedingung und Rueckweg; docs/README.md verweist
  darauf

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2026-09-09 10:03:25 +02:00

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Tessera – Mandantentrennung auf Datenbankebene (WINDOWS #18)

Diese Anleitung richtet sich an dieselben Kolleg:innen wie das Betriebshandbuch und behandelt nur einen einzigen Punkt: die Datenbankrolle, mit der Tessera verbindet, und warum die bestehenden Sicherheitsregeln (Row-Level Security) heute keine Wirkung haben.

Inhaltsverzeichnis

  1. Der Befund
  2. Was bereits vorbereitet ist
  3. Der Sperrgrund — warum die Umstellung noch nicht erfolgt ist
  4. Die Umstellung, Schritt fuer Schritt
  5. Die Vorher-Pruefung
  6. Der Rueckweg

1. Der Befund

Tessera trennt die Daten mehrerer Mandanten auf zwei Ebenen: im Anwendungscode (where: { tenantId }) und zusaetzlich auf Datenbankebene ueber PostgreSQL Row-Level Security (RLS) — ein „zweites Sicherheitsnetz" fuer den Fall, dass im Code einmal ein tenantId-Filter vergessen wird.

Dieses zweite Netz existiert seit Juni 2026 auf sieben Tabellen und wurde am 2026-09-09 mit einer wichtigen Einschraenkung nachgemessen: es greift derzeit nicht. Die API verbindet laut docker-compose.yml als Rolle tessera. Diese Rolle entsteht aus der Umgebungsvariable POSTGRES_USER und ist damit automatisch Superuser des PostgreSQL-Clusters. PostgreSQL wendet Row-Level Security auf Superuser-Rollen grundsaetzlich nicht an — auch nicht auf Rollen mit dem Recht BYPASSRLS, das Superuser automatisch mitbringen. Der Zusatz FORCE ROW LEVEL SECURITY in den bestehenden Migrationen aendert daran nichts: er erzwingt Policies nur gegenueber dem Tabelleneigentuemer, nicht gegenueber Rollen mit Umgehungsrecht — und die Rolle tessera ist beides zugleich.

Praktisch nachgemessen am 2026-09-09: ein SELECT count(*) FROM "Group" ohne gesetzten Mandantenkontext liefert zwei Zeilen, obwohl die vorhandene Policy USING ("tenantId" = current_tenant_id()) bei fehlendem Kontext null Zeilen liefern muesste. Die Isolation zwischen Mandanten haengt heute vollstaendig am where-Filter im Anwendungscode — nicht an der Datenbank.

Dieser Befund ist als WINDOWS #18 im Fehler-Ledger festgehalten. Kein akutes Risiko, solange Tessera nur intern und einmandantig laeuft — aber zwingend zu beheben, bevor Tessera an einen zweiten, externen Mandanten geht.

2. Was bereits vorbereitet ist

Diese Aenderung liefert die vier Bausteine, die fuer eine wirksame Trennung noetig sind:

  • Eine eigene Datenbankrolle tessera_app ohne Superuser- und ohne BYPASSRLS-Recht (Migration 20260909130000_rls_app_role).
  • Getrennte Verbindungen fuer Migration und Laufzeit. prisma migrate deploy braucht die Rechte des Tabelleneigentuemers, die Anwendung soll sie nicht haben — apps/api/scripts/migrate-and-start.sh trennt beide Schritte ueber die neue Variable TESSERA_MIGRATE_DATABASE_URL.
  • Ein Pruefwerkzeug, das den Nachweis fuehrt statt ihn zu behaupten: apps/api/scripts/rls-preflight.mjs misst gegen eine angegebene Verbindung Rollenrechte, Setzbarkeit des Mandantenkontexts, sichtbare Zeilen mit und ohne Kontext sowie vorhandene Zugriffsrechte.
  • Vollstaendige Policy-Abdeckung. Migration 20260909140000_rls_remaining_tenant_tables ergaenzt die bislang fehlenden 16 Tabellen; alle 20 Tabellen mit tenantId tragen jetzt eine Regel.

3. Der Sperrgrund — warum die Umstellung noch nicht erfolgt ist

Die Verbindung ist bewusst noch nicht umgestellt, und sie darf noch nicht umgestellt werden.

Am 2026-09-09 wurde im Quelltext von apps/api/src gezaehlt, wie oft die Anwendung ueber den unskalierten Prisma-Client zugreift (also ohne den Mandantenkontext zu setzen) gegenueber der Anzahl der Verwendungen des mandantengebundenen tenantPrisma: 182 unskalierte Zugriffe — 84 auf die sieben bereits mit Policies versehenen Tabellen, 98 auf die 16 neu hinzugekommenen — gegenueber lediglich 19 Verwendungen von tenantPrisma im gesamten API-Quelltext.

Darunter ist der Anmeldeweg selbst, und der kann strukturell nicht anders funktionieren: apps/api/src/auth/auth.service.ts sucht den Benutzer anhand des Benutzernamens, bevor der Mandant bekannt ist — der Mandant wird ja erst aus dem gefundenen Benutzer bestimmt. Unter der Rolle tessera_app liefert genau diese Suche null Zeilen. Niemand koennte sich mehr anmelden.

Ebenso betroffen sind Hintergrunddienste, die von Natur aus ohne Mandantenkontext laufen: der AD-Abgleich, der Ausschreibungs-Digest, die Modulzugriffspruefung, die Treffersuche im Ausschreibungs-Radar und die Erstanlage des Administrators beim ersten Start.

Diese 182 Stellen brauchen einen ausdruecklichen, benannten Systemkontext (oder eine gezielte Umstellung auf tenantPrisma/forTenant()), bevor der Schalter umgelegt werden darf. Das ist eigene Arbeit und nicht Teil dieser Aenderung. Ein gruener Bericht des Pruefwerkzeugs aus Abschnitt 5 belegt ausschliesslich, dass die Datenbankseite stimmt — er sagt nichts ueber diese 182 Zugriffe aus.

4. Die Umstellung, Schritt fuer Schritt

Erst durchfuehren, wenn Abschnitt 3 abgearbeitet ist. Reihenfolge einhalten — die Migration muss weiterhin als Tabelleneigentuemer laufen.

  1. Kennwort der Rolle einmalig setzen, als Datenbank-Superuser:

    ALTER ROLE tessera_app WITH PASSWORD '<hier ein starkes, generiertes Kennwort einsetzen>';
    

    Dieser Befehl gehoert in keine Datei und in kein Protokoll — er wird direkt an psql uebergeben und danach aus der Shell-Historie entfernt.

  2. In der .env des Servers TESSERA_MIGRATE_DATABASE_URL auf die bisherige Verbindung (Rolle tessera, Tabelleneigentuemer) setzen und DATABASE_URL auf die neue Rolle tessera_app umbiegen — in dieser Reihenfolge, denn prisma migrate deploy muss weiterhin mit Eigentuemerrechten laufen, waehrend die Anwendung selbst die eingeschraenkte Rolle bekommt.

  3. Vor dem Neustart die Vorher-Pruefung aus Abschnitt 5 gegen die neue Rolle ausfuehren.

  4. API-Dienst neu erstellen (docker compose up -d --build --force-recreate api, siehe Betriebshandbuch Abschnitt 4).

5. Die Vorher-Pruefung

TESSERA_PREFLIGHT_DATABASE_URL="postgresql://tessera_app:<kennwort>@<host>:5432/tessera" \
  node apps/api/scripts/rls-preflight.mjs

Das Werkzeug meldet fuenf Pruefungen: Rollenrechte, Setzbarkeit des Mandantenkontexts, keine sichtbaren Zeilen ohne Kontext, sichtbare Zeilen mit Kontext, vollstaendige Zugriffsrechte. Es veraendert nichts — es liest ausschliesslich.

Ein gruener Bericht ist die Freigabebedingung fuer Schritt 4 aus Abschnitt 4 — aber er ist keine Freigabe fuer die Umstellung insgesamt. Er bestaetigt nur, dass die Datenbankseite stimmt. Die 182 unskalierten Zugriffe aus Abschnitt 3 misst er nicht und kann sie nicht messen — dafuer muesste er den Anwendungscode lesen, nicht die Datenbank.

6. Der Rueckweg

Wenn die API nach einer Umstellung nicht mehr hochkommt:

Das sichtbare Bild: der api-Container bleibt ungesund (Healthcheck schlaegt fehl), und das Protokoll (docker compose logs api) zeigt einen Authentifizierungs- oder Rechtefehler von PostgreSQL — etwa eine fehlgeschlagene Anmeldung oder eine verweigerte Berechtigung.

Weg zurueck, zwei Schritte:

  1. DATABASE_URL in der .env wieder auf die bisherige Verbindung (Rolle tessera) setzen.
  2. docker compose up -d --build --force-recreate api ausfuehren.

Die Rolle tessera_app darf dabei unangetastet bestehen bleiben — sie schadet nicht, solange niemand mit ihr verbindet.

Wichtiger Hinweis fuer den Server: /opt/tessera/docker-compose.yml ist keine Arbeitskopie dieses Repositorys. Aenderungen an docker-compose.yml oder docker-compose.prod.yml in diesem Repository erreichen den Server nicht automatisch. Wer TESSERA_MIGRATE_DATABASE_URL dort verfuegbar haben will, traegt die Zeile selbst in /opt/tessera/docker-compose.yml ein (vorher sichern) — genau wie es bereits fuer andere nachtraegliche Variablen dokumentiert ist (Betriebshandbuch, Abschnitt zur Server-Konfiguration).