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tessera-ctl/docs/mandantentrennung-etappe2-fehlerrichtung.md
T
schalli a0c9ef070f feat(quick-260909-ipc): Fehlerrichtung des Bereichs ldap messen und schriftlich festhalten
Aufgabe 1 der Etappe 2: erweitert das Wegwerf-Werkzeug rls-scratch-check.mjs
um fuenf Messungen des forTenant()-Musters gegen die echte, aus der
ausgelieferten Migration geschnittene LdapConfig/LdapFieldMapping-Policy
unter einer Rolle ohne BYPASSRLS. Belegt insbesondere, dass ein ungebundener
Zugriff nach dem Scharfschalten 0 Zeilen liefert, nicht alle -- die
Fehlerrichtung dreht sich um. Die neue Kritikschrift
docs/mandantentrennung-etappe2-fehlerrichtung.md haelt das schriftlich fest,
mit Signaltabelle je Pfad und den vier Stellen, die Leere als Abwesenheit
deuten. Kein Dienstcode angefasst.

Co-Authored-By: Claude Sonnet 5 <noreply@anthropic.com>
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2026-09-09 13:53:56 +02:00

11 KiB

Mandantentrennung, Etappe 2 — Die Fehlerrichtung dreht sich um

Dieses Dokument gehört zusammen mit docs/mandantentrennung-zugriffsklassifikation.md zur Vorbereitung der Mandantentrennung auf Datenbankebene. Während die Klassifikation festhält, welche Fundstelle umgestellt wird, hält dieses Dokument fest, woran man merkt, wenn eine umgestellte Fundstelle nach dem Scharfschalten (Etappe 4) zu wenig liefert. Es ist etappenbezogen und wird nicht laufend nachgezogen wie die Bestandsaufnahme — es beschreibt den Bereich ldap zum Zeitpunkt seiner Umstellung (Etappe 2, Quick-Task 260909-ipc).

(a) Die Leitfrage

Bis heute war der Fehlerfall einer Mandantentrennung "sieht zu viel": die Rolle tessera läuft mit BYPASSRLS, jede Abfrage sieht alle Zeilen aller Mandanten, unabhängig davon, ob sie an forTenant() gebunden ist oder nicht. Ein vergessener forTenant()-Aufruf blieb bisher unsichtbar, weil die Policy gar nicht griff.

Nach dem Scharfschalten (Etappe 4, wenn DATABASE_URL auf eine Rolle ohne BYPASSRLS zeigt) kehrt sich das um. Jede Abfrage, die nicht gebunden ist, sieht nicht mehr alle Zeilen, sondern keine — die Policy vergleicht gegen current_tenant_id(), und ohne vorheriges set_config ist dieser Wert NULL. NULL = "tenantId" ist in SQL nie wahr, auch wenn "tenantId" selbst nicht NULL ist. Der Fehlerfall ist damit nicht mehr "ein Administrator sieht die Konfiguration eines fremden Mandanten", sondern "der Abgleich-Dienst sieht gar keine Konfiguration mehr, für niemanden, und tut so, als sei nichts zu tun."

Diese Frage wird deshalb VOR der Umstellung gestellt, nicht erst beim Scharfschalten entdeckt: Woran würde ich merken, dass eine umgestellte Abfrage jetzt zu WENIG liefert statt zu viel?

(b) Die Messung

Task 1 dieses Plans hat apps/api/scripts/rls-scratch-check.mjs um einen dritten Abschnitt erweitert, der exakt das im Bereich ldap verwendete Muster (Tabellen LdapConfig/LdapFieldMapping, Policies wortgleich aus der ausgelieferten Migration 20260618112133_rls_policies/migration.sql herausgeschnitten) gegen eine Wegwerf-Datenbank unter einer Rolle ohne BYPASSRLS prüft. Tatsächlich beobachtete Ausgabe dieses Laufs (2026-09-09, gegen tessera-ctl-db-1, Adresse 172.19.0.2):

ldapconfig-gebunden-nur-eigene-zeile: bestanden — forTenant(TENANT-A) liefert 1 Zeile(n): ["TENANT-A"]
ldapconfig-ungebunden-null-zeilen: bestanden — ungebundener SELECT auf "LdapConfig" liefert 0 Zeile(n)
fieldmapping-folgt-join-auf-ldapconfig: bestanden — forTenant(TENANT-A) liefert 1 Feldzuordnung(en): ["cfg-a"]
fieldmapping-schreiben-eigene-konfiguration-erlaubt: bestanden — INSERT mit eigener ldapConfigId erfolgreich
fieldmapping-schreiben-fremde-konfiguration-abgelehnt: bestanden — INSERT mit fremder ldapConfigId abgewiesen: ERROR: new row violates row-level security policy for table "LdapFieldMapping"
Alle 13 Pruefungen bestanden.

Der Beleg, der diese Kritikschrift trägt, ist die Zeile ldapconfig-ungebunden-null-zeilen: der IDENTISCHE SELECT "tenantId" FROM "LdapConfig" ohne vorheriges set_config liefert 0 Zeilen, nicht etwa alle 2 vorhandenen. Das ist an der echten, ausgelieferten Policy gemessen, nicht an einer im Werkzeug nachgebauten Hilfstabelle — die Fehlerrichtung "sieht nichts" ist damit kein aus dem Code abgeleiteter Schluss, sondern eine beobachtete Tatsache.

(c) Signaltabelle je umgestelltem Pfad des Bereichs ldap

Pfad Verhalten bei zu wenig Ergebnis Konkretes Signal
LdapConfigService.getConfig/createConfig/updateConfig forTenant() liefert für den anfragenden Mandanten 0 Zeilen statt der eigenen Konfiguration GET /ldap/config liefert null; die Admin-Oberfläche zeigt "keine Konfiguration" für einen Mandanten, der tatsächlich eine hat
LdapConfigService.addFieldMapping/removeFieldMapping Schreiben/Lesen einer Feldzuordnung läuft gebunden leer statt auf die eigene Zuordnung POST/DELETE /ldap/config/mappings scheitert mit 404 bzw. legt scheinbar nichts an, obwohl die Konfiguration existiert
LdapService.listGroups/searchUsers (Markierung "bereits importiert") Die Markierungsabfrage liefert 0 vorhandene Konten/Gruppen statt der tatsächlich vorhandenen Die Kennzeichnung "bereits importiert" in den Auswahllisten von Gruppen und Benutzern fehlt für Einträge, die tatsächlich schon importiert sind — ein zweiter Import würde eine Dublette anlegen (bzw. bei Gruppen an der eigenen ldapObjectGuid-Eindeutigkeit scheitern)
LdapService.upsertMappedUser/importUsersByDn (Identitätssuche über ldapDn/username) Die Suche nach dem bestehenden Konto liefert 0 Treffer statt des vorhandenen Kontos Der Abgleich-Bericht zählt das Konto unter created statt updated — sichtbar in den Zählern created/updated/deactivated des Sync-Berichts
LdapService.syncUsersForTenant (Deaktivierungs-Kandidatenliste) Die Kandidatenliste liefert 0 lokale LDAP-Konten statt der tatsächlich vorhandenen Der Zähler deactivated bleibt 0, obwohl ein Konto im Verzeichnis entfernt wurde — harmlose Richtung: es wird zu WENIG deaktiviert, nie zu viel
LdapService.syncUsersForTenant (lastSyncAt-Fortschreibung) Das UPDATE trifft 0 Zeilen statt der eigenen Konfiguration Das Feld lastSyncAt der Konfiguration bleibt stehen, obwohl der Sync gerade lief — sichtbar in der Admin-Oberfläche als "nie synchronisiert" trotz laufendem Betrieb
LdapService.importGroupsByDn (Idempotenzprüfung über ldapObjectGuid) Die Prüfung liefert 0 Treffer statt der bereits importierten Gruppe Ein zweiter Import derselben AD-Gruppe würde eine Dublette anlegen, statt sie als "übersprungen" zu zählen — im gebundenen Zustand nicht mehr erreichbar, weil group.create an der eigenen ldapObjectGuid-Unique-Bedingung ohnehin scheitert
LdapConfigScheduler (Planer, getAllActiveConfigs()) Der Planer liest 0 Konfigurationen statt aller aktiven Konfigurationen ALLER Mandanten Die Protokollzeile "Starting LDAP sync for tenant ..." des Planers erscheint für KEINEN Mandanten mehr — siehe Abschnitt (d), Befund E

(d) Welcher Code deutet Leere als Abwesenheit

Diese vier Stellen sind die still gefährlichsten Orte des Bereichs ldap, weil sie ein zu kleines Datenbankergebnis nicht als Fehler, sondern als gültigen Zustand ("nichts zu tun", "Objekt existiert nicht mehr") interpretieren:

  1. syncGroupMembershipsForTenant, deleteMany mit notIn — gefährlich, zerstörend. Liefert die Benutzerausfrage zu wenig (weil ungebunden nach dem Scharfschalten 0 Zeilen zurückkommen), entfernt der anschließende deleteMany({ where: { NOT: { userId: { in: [...] } } } })-Aufruf ALLE LDAP-Mitgliedschaften der Gruppe, weil die Vergleichsliste leer ist und jede vorhandene Mitgliedschaft als "nicht mehr in der Liste" gilt. Dieser Pfad ist bereits gebunden (tenantPrisma seit Etappe 1, Zeile 1179 vor dieser Umstellung); die Gefahr besteht nur, falls diese Bindung jemals entfernt würde.

  2. Die Deaktivierungsschleife in syncUsersForTenant — harmlose Richtung, trotzdem festgehalten. Liefert die Kandidatenliste (localLdapUsers) zu wenig, wird zu WENIG deaktiviert, nie zu viel: ein Konto, das eigentlich deaktiviert werden müsste, bleibt aktiv. Das ist unerwünscht, aber nicht destruktiv — es verliert keine Daten und sperrt niemanden fälschlich aus.

  3. Der Löschzweig in syncBoundGroupsForTenant — die eigentliche Löschentscheidung fällt am VERZEICHNIS ("kein Treffer mehr für objectGUID"), nicht an der Datenbank; ein zu kleines Datenbankergebnis führt hier zu WENIGER Löschungen, nicht zu mehr. Gefährlich ist stattdessen die Übergabe unmittelbar davor: this.groupsService.reassignDefaultBeforeDelete(tenantId, group.id) und ensureDefaultGroup(tenantId) liegen in groups.service.ts und sind NICHT Teil dieser Umstellung. Nach dem Scharfschalten liefert reassignDefaultBeforeDelete still false (kein Ersatzkandidat sichtbar), der Standard-Marker wandert nicht mit, und die Gruppe wird trotzdem gelöscht — der Mandant bleibt ohne Standardgruppe zurück (Befund D, siehe (e)).

  4. getAllActiveConfigs — die stillste Stelle im gesamten Bereich. Liefert diese Abfrage nach dem Scharfschalten 0 Zeilen (sie ist bewusst übergreifend und bleibt ungebunden, siehe (e)), stellt der LDAP-Abgleich für JEDEN Mandanten ohne Fehlermeldung, ohne Protokolleintrag und ohne sichtbare Änderung die Arbeit ein (Befund E). Eine Laufzeitwarnung bei "0 aktive Konfigurationen" wurde erwogen und VERWORFEN: der Planer läuft jede Minute, und auf einer frischen Installation ohne LDAP ist 0 der Normalfall — eine Warnung wäre Dauerlärm, der nach kurzer Zeit ignoriert wird und sein Signal verliert. Das Signal gehört deshalb hierhin und in die Vorabprüfung von Etappe 4 (rls-preflight.mjs), nicht in den Minutentakt des Planers.

(e) Was dieser Durchlauf bewusst nicht löst

  • Befund A — resolveEmailForWrite muss übergreifend bleiben. email und username sind in prisma/schema.prisma plattformweit eindeutig (@unique), nicht je Mandant. Würde diese Abfrage mitgebunden, sähe sie einen fremden Halter der Adresse nicht mehr, meldete "Adresse frei", und der anschließende Schreibvorgang liefe in die plattformweite Eindeutigkeitsbedingung der Datenbank — aus einer sauber berichteten Kollision (WINDOWS #15/T-Q3-01) würde ein P2002-Abbruch des gesamten Sync-Laufs. Nach dem Scharfschalten liefert diese ungebundene Abfrage IMMER "frei" (0 Zeilen unter jedem Mandantenkontext außer dem der Adresse selbst) — ein bekannter, hier bewusst offen gelassener Punkt. Die Lösung gehört nach Etappe 3, vermutlich als vierte SECURITY-DEFINER-Funktion nach dem Muster der drei Funktionen des Anmeldewegs (auth_lookup_user_by_username, auth_lookup_reset_token, plus die dritte aus Etappe 1).

  • Befund D — die Standardgruppen-Übergabe an den Bereich groups. Wie in (d.3) beschrieben, ist der Löschzweig selbst bereits gebunden, aber die Übergabe an reassignDefaultBeforeDelete/ensureDefaultGroup in groups.service.ts ist es nicht. Das ist eine Reihenfolgebedingung für Etappe 4: der Bereich groups muss umgestellt sein, bevor scharf geschaltet wird, sonst bleibt ein Mandant nach einer Gruppen-Löschung ohne Standardgruppe zurück. groups ist ohnehin als nächster Bereich der Etappe 2 vorgesehen.

  • Die offene Architekturfrage req.tenantPrisma. tenant.middleware.ts und tenant.guard.ts setzen req.tenantPrisma = forTenant(...), aber kein Controller liest diesen Wert je. Dieser Durchlauf entscheidet NICHT, ob Controller künftig darüber gehen sollten statt eines erneuten forTenant()-Aufrufs im Service — der Bereich ldap bindet weiterhin dienst-intern, wie die vier Bestandsstellen in ldap.service.ts und die drei in auth.service.ts es vormachen. Die Frage bleibt für die übrigen Bereiche der Etappe 2 offen (siehe docs/mandantentrennung-zugriffsklassifikation.md, Abschnitt "Was diese Etappe NICHT entscheidet").

Verweis

Die Bestandsaufnahme, welche Fundstelle den hier beschriebenen Übergang bereits vollzogen hat (Stand-Spalte gebunden/ungebunden/gemischt), steht in docs/mandantentrennung-zugriffsklassifikation.md.